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015 – Interview Pfarrer Dr. R. Wirth – Sterben und Tod aus evangelischer Sicht 2

 

In diesem Interview geht es um:

Trauer, auch öffentliche Trauer

Friedhof ist ein Ort an dem ALLE kommen und weg-gehen können.

Angebote von Trauergruppen

Ewigkeitssonntag – Totensonntag

Trauerjahr

Der Professionelle – Pfarrer Dr. Wirth – der private Raimund Wirth und das Sterben und der Tod

 

Zur Person:       Dr. Raimund Wirth

Pfarrer in der Evangelischen Paulusgemeinde Darmstadt (seit 2012)

Stellvertretender Dekan des Dekanates Darmstadt-Stadt

*1975, verheiratet, 3 Kinder

 

 

 

Kontakt:          Dr. R. Wirth, Paulusgemeinde Darmstadt, Niebergallweg 20
64285 Darmstadt  pfarrer.wirth@paulusgemeinde-darmstadt.de

Gottesdienste sind in der Darmstädter Paulusgemeinde sonntäglich um 10 Uhr. Auf der Gemeindehomepage (www.paulusgemeinde-Darmstadt.de) erfahren Sie, wer den Gottesdienst mit der Gemeinde feiert.

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Mit der 11. Episode begann eine kleine Interviewreihe mit Seelsorgerinnen und Seelsorgern verschiedener Religionen und Konfessionen zum Thema “Sterben und Tod”- ergänzt wird diese Reihe durch ein Gespräch mit einer freien Bestattungsrednerin. Die Reihenfolge der Podcasts entspricht der Reihenfolge der möglichen Terminvereinbarungen und bedeutet keinerlei Wertung.

Sehr bemerkenswert war für mich, die Spontanität aller Beteiligten, herzlichen Dank für die Bereitschaft und die herzliche, zugewandte Offenheit.

Alle Gespräche haben eine einheitliche Fragestruktur:

  1. Begrüßung und der Interviewgast stellt sich vor. Was bedeutet in seinem/ihrem Kontext Seelsorge?
  2. Wie bereitet sich ein Sterbender und ggf. sein Umfeld unter Berücksichtigung der jeweiligen Religion auf den Tod vor.
  3. Was passiert, wenn der Tod eingetreten ist?
  4. Die Bestattung
  5. Nach der Bestattung
  6. Persönliche Frage – Wie geht der Interviewgast als Professionelle/r mit einer privaten Trauersituation um? Trauern Professionelle anders?

Ausblick

Episode 11-13 – Muslimische Seelsorge – Songül Yasar, Salam e.V. Frankfurt

Episode 14-15 – Evangelische Seelsorge – Pfarrer Dr. Raimund Wirth, Darmstadt (5.11.17)

Episode 16-18 – Katholische Seelsorge – Pfarrer Johannes Gans, Darmstadt (November 17)

Episode 19-20 – Jüdische Seelsorge – Rabbiner Jehoshua Ahrens (November 17)

Episode 21-22 – Freie Bestattungen – Eva Neubacher ( November 17)

 

004  – Der Tod ist nahe herangerückt – wie reden wir im engsten Kreis darüber – oder eben nicht …

 

Eine Geschichte, die immer wieder so passiert:

Als Klinikseelsorger werde ich zu einem Patienten im palliativen Bereich gerufen. Vor der Tür treffe ich den Sohn oder die Tochter. Das Gespräch endet, bevor ich ins Zimmer gehe, mit der Bitte, dass ich dem schwer kranken Vater/Mutter nicht sagen soll, das der Tod nahe bevorsteht. Spreche ich dann im Zimmer mit dem Patienten, erhalte ich auch dort den Auftrag, dem Sohn/Tochter nichts vom bevorstehenden Ableben zu erzählen.

Ein Auftragsdilemma, da alle Bescheid wissen, es aber aus vermeintlicher Rücksicht auf den anderen nicht aussprechen wollen. Gründe dafür gibt es viele.

Manchmal entscheide ich, es genau bei diesen Aufträgen zu belassen. Manchmal bringe ich die Beteiligten behutsam ins Gespräch. Denn jetzt kann noch das miteinander besprochen werden, wozu im kommenden Monat keine Gelegenheit mehr sein wird. Jetzt kann es um das Essentielle gehen, wie auch im Johannes-Evangelium – die Abschiedsreden Jesu.

In diesem Moment, so ist es mir schon vielfach gegangen, geht es weniger um die Trauer und den Abschied, wohl aber um das beantworten der wichtigsten gemeinsamen Fragen und vor allem um das mögliche Schließen offener Enden.  Mehr noch, es geht um eine Art von Transformation der bisherigen Beziehung. Das verändert (verbessert) auch deutlich die Trauer über den Tod dieses Menschen.

Aber dazu müssen beide bereit sein und auch miteinander ins Gespräch kommen. Sonst gibt es einen Zeitpunkt, wo das nie mehr gehen wird. Musikalisch wird dieses von Mike Rutherford im Blick auf seinen eigenen Vater in der Ballade „In the living years“ (Mike and the Mechanics) besungen.

 

Bei allem, es ist meine fast immer gemachte Erfahrung, dass Jeder in irgendeiner Form wusste, dass er sich in der finalen Runde des Lebens, in Sichtweite der Ziellinie, befindet. Auch wenn keiner etwas gesagt hat. Einige Male durfte ich Menschen schon begleiten, die auf dieser Zielgerade noch Ballast in Form einer Lebensbeichte abgeworfen haben und damit leichter ins Ziel kamen.

 

000 – Neues aus der Klinikseelsorge – Pilotfolge


„Was Deiner Seele gut tut …“ unter diesem Motto berichte ich, Stefan Hund, wöchentlich ab September 2017 aus der fiktiven „Hessen-Klinik“ von meinen Begegnungen mit Patienten.

Ich lade darüberhinaus interessante Interviewgäste aus dem Bereich der Klinikseelsorge wie auch aus Themenfeldern, mit denen er als Klinikseelsorger ins Gespräch bzw. ins Miteinander-Tun kommt, in diesen Podcast ein.

Mein Podcast genießt die Unterstützung des Evangelischen Dekanates Darmstadt-Stadt. Die Musik wurde von Dekanatskantor Stefan Mann, Darmstadt-Eberstadt, komponiert und als mp3-File umgesetzt.

Der Podcast ist nicht im Rahmen meiner realen halben Stelle als Klinikseelsorger für das Klinkum in Darmstadt leistbar, weder zeitlich noch finanziell. Daher sponsere ich zeitlich und finanziell diesen Podcast. Sponsoren für die ersten Folgen sind:  Stefanhund.com, systemischer Coach und Mediator, Das Evangelische Dekanat Darmstadt-Stadt und Dekanats-Kantor Stefan Mann.

Für diesen Podcast hat er aus Gründen der Diskretion, des Seelsorgegeheimnisses und der Unabhängigkeit die fiktive „Hessen-Klinik“ an der hessischen Bergstraße – analog der legendären TV-„Schwarzwald-Klinik“ aus dem Glottertal ins Leben gerufen.  Sämtlich erzählte Geschichten spiegeln einen wahren Kern, persönliche Details, die auf die realen Personen schließen lassen könnten, sind aber bewußt verändert.

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In dieser Pilotfolge:

  • Viele Patienten im Krankenhaus haben ein Kopfkino – und ein Smartphone oder Tablet

Als Klinikseelsorger ist es mir wichtig, Patienten, die in meinem Bereich „residieren“, zu besuchen und ihnen ein Gespräch anzubieten. Entsprechend meinen zeitlichen Möglichkeiten mal mehr und mal weniger in meinem Dienst. Kein Patient ist freiwillig in der Klinik, so ist es nichts Ungewöhnliches, dass der eine oder die andere ein Kopfkino entwickeln. Bei manchen, zu der Krankheit, die sie jetzt real haben, bei anderen auch zu den Krankheiten, die vielleicht haben könnten. Manche kommen ins Grübeln zu der Frage nach dem woher, das ist aber seltener, vielmehr sind einige an den Fragen dran, wie geht es weiter, wenn sie entlassen sind.

Bei einigen Patienten kommen auch grundsätzliche Lebensfragen auf, das geht von privaten Themen wie Partnerschaft bis hin zu beruflichen Themen oder Unternehmensperspektiven. Als evangelischer Klinikseelsorger bringe ich für den Patienten wunderbare Privilegien mit, die für mich den Reiz aber auch die Herausforderung bedeuten:

a) Ich nehme mir extra für ihn/sie Zeit und höre aktiv zu.

b) Ich gebe ihm mit meinen Fragen Raum – und muss nicht zielgerichtet fragen, ob er Brot oder Brötchen, sie Tee oder Kaffee möchte, wie der Blutdruck und manches andere war…

c) Meine Präsenz gilt die nächste Zeit, oft um die 15 Minuten, ihm oder ihr allein – mit den Themen, die in diesem Moment für diesen Menschen dran sind.

d) Auf Wunsch bete ich mit oder für die Patienten und verlasse das Zimmer mit einem Segenswort.

Viele haben ein Smartphone oder ein Tablet bei sich. Das brachte mich auf die Idee mit dem Podcast.

  • Seele – Seelsorge, was ist das für mich

Seele ist für mich erst einmal sehr allgemein, der Geist, der Atem, der darinnen ist – also in einem Menschen, oder auch in einem Tier, in einem Lebewesen ist – aber auch darüber hinaus. In diesem Sinne haben auch Gebäude, Organisationen oder auch ganze Unternehmen eine Seele. Einen Geist, einen Atem, der darinnen ist.

Und wie es einem Menschen geht, spürt, hört oder auch riecht man es am Atem, ist er gleichmäßig tief oder kurzatmig – langatmig, gar mit Aussetzern oder stockt einem der Atem, kann ich ihn gut riechen oder stinkt er mir schon … gibt das auch schon einen Hinweis auf die Gesundheit und einen guten Geist des Miteinanders.

  • Patientenbesuche in der Klinik vor Ort –

Ich arbeite seit 2015 als Klinikseelsorger für einen Krankenhaus der Vollversorgung in Südhessen. Regelmäßig gehe ich auf „meine“ Stationen und biete ein Gespräch an. Manchmal auf Empfehlung – meistens aber „von Zimmer zu Zimmer“.

Hier treffe ich auf die unterschiedlichsten Menschen. Sie haben alle gemeinsam, dass sie in diesem Moment Patient oder Patientin der Klinik sind.  Zu etwa 30% wohnen diese aktuell in Darmstadt, 60% im Landkreis Darmstadt-Dieburg und 10% kommen darüberhinaus nach Darmstadt. Ich komme mit allen ins Gespräch, ob christlich, muslimisch, buddhistisch oder keiner Religion zugehörig.

Zur Arbeit in der Klinikseelsorge gehört aber noch viel mehr…

  • Klinikseelsorge ist bei uns Team-Arbeit, Ökumene ist selbstverständlich.

  • Meine Patienten heißen im Podcast grundsätzlich „Müller, Maier oder Schulze“

Wenn ich Geschichten aus dem Krankenhaus erzähle, oder in zukünftigen Interviews meine Kolleginnen und Kollegen davon berichten, werden wir natürlich die Namen der Beteiligten verändern und auch sonst private-persönliche Details neu benennen oder herausnehmen, damit kein Rückschluss auf die konkrete Person möglich ist. Bitte lassen Sie sich nicht irritieren, dass alle unsere Patienten beispielswiese Maier oder Müller heißen, bei Familien mit muslimischem Hintergrund ist das dann in der Regel der Familienname Ibrahim.

  • Stefan Hund – Persönlich

Stefan Hund ist meine Name schon seit 53 Jahren. Mein Bild siehst Du auf dem Cover des Podcasts. Ich bin seit 1996 Pfarrer der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau – Nach dem abgeschlossenen Theologiestudium, dazu einiges an Psychologie und Pädagogik habe ich eine kaufmännische Ausbildung gemacht und bei Merck und Pirelli gearbeitet. Ich war über 15 Jahre als Pfarrer leitend in südhessischen Gemeinden, habe ein Projekt aufgebaut und geleitet, in dem ich im Auftrag der Kirche Theologinnen und Theologen in außerkirchliche Arbeitsfelder und vor allem Unternehmen hinein beraten habe. Dazu kommen noch Referententätigkeiten im Bereich der Kirchenleitung. Seit 2004 leite ich Einkehrtage im Schweigen für Unternehmer und Führungskräfte. Hierzu finden Sie auch einige Informationen auf dieser Homepage. Privat lebe ich glücklich in einer Patchworkfamilie mit Kindern.

  • Podcast – Musik

Die Musik ist eine Eigenkomposition meines sehr geschätzten kirchenmusikalischen Kollegen Stefan Mann aus Darmstadt Eberstadt.

  • Grundsätzliches

Bitte haben Sie Verständnis, dass ich als ev. Seelsorger für meine Patienten vor Ort arbeite, dies aber nicht zusätzlich für Hörer des Podcasts leisten kann und werde.

Für eine persönliche Seelsorge wenden Sie sich bitte an meine Kollegen vor Ort – Ihren Gemeindepfarrer oder ihre Gemeindepfarrerin.

Für ein professionelles Coaching oder eine Mediation auf Rechnungsbasis kommen Sie gerne auf mich über das Kontaktformular zu. Vielen Dank.

 

Für Rückfragen oder Anmerkungen erreichen Sie mich unter:

Podcast-Klinikseelsorge@stefanhund.com

 

Herzliche Grüße

Stefan Hund