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P-K-32 – Interview mit Militärbischof Dr. Sigurd Rink – Teil 3


Wenn Soldaten bei Unfällen oder Einsätzen ums Leben kommen, dann unterstützen, wenn gewünscht, Militärpfarrer. Dies geschieht an mehreren Stellen: a) vor Ort bei der Truppe im Einsatz, einerseits für den Verstorbenen, andererseits in der Begleitung der hinterbleibenden Kammeraden. b) Wenn von Verstorbenen und Familie gewünscht: Der Militärpfarrer begleitet die Hinterbliebenen und organisiert und leitet auch in Kooperation mit den staatlichen Stellen, ggf.in Absprache mit den Medien, die Beerdigung. Hier wirken häufig zwei Militärgeistliche zusammen, der eine leitet die Beerdigung, der andere begleitet die Familie. c) Begleitung am Truppenstandort.

Das ist ein Arbeiten auf der Grenze, in Formen von „riskanten Liturgien“ – ähnlich wie bei großen Ereignissen in Deutschland z.B. auch nach ICE-Unglücken oder Amok-Läufen. Hier kann Kirche eine Beheimatung ermöglichen.

Der MB arbeitet auf der Nahtstelle zwischen Kirche und Staat / Bundeswehr im Besonderen. Gerade aus dieser Perspektive plädiert Rink dafür, dass Kirche zu den Menschen rausgeht, sich nicht zurückzieht, sondern dahin geht wo es weh tut, wo es schmerzt. Hier geht es um etwas!

Militärseelsorge 2040: Das ist Kirche im öffentlichen Raum, da muss Kirche sein – da, wo es Menschen weh tut und sie als der „Eine Andere“ unterstützt.

 

Herzlichen Dank

© Stefanhund.com

 

P-K-32 -Interview: Dr. Sigurd Imanuel Rink, The Protestant Military Bishop (EKD) 3of3

Soldiers of the German Armed Forces (Bundeswehr) are also loosing their lives during deployments or in accidents. This is a very important field of support for military chaplains. This starts directly on-site where the soldier lost his or her life – and it is the spiritual accompaniment of the surviving dependents. After convicting the defunct person the family gets the offer of pastoral care if wanted. This takes place in cooperation with governmental and employers care. When the place of death is a deployment abroad it often goes along with heavy media coverage. Then military pastoral care comes to the edge and work for the military chaplain gets difficult in forms of “risky liturgies” similar to major incidents like ICE catastrophe or shooting rampage.

The military bishop works as an interface between church and state (Bundeswehr). Looking at it from this perspective Rink pleads that church has to go to where the people are and does not withdraw. Church has to go where it hurts and where it counts!

Military pastoral care 2040: This is church in the public space. There church must take place, must support people where they need it.

 

 

THANK YOU!

(C) Stefanhund.com

 

Dr. Sigurd Immanuel Rink

Der Militärbischof – Evangelische Kirche in Deutschland (EKD)

Jebensstraße 3
10623 Berlin

Internet:http://www.militaerseelsorge.bundeswehr.de Email: heike.stenzel@hesb.de

 

 

 

P-K-26 Wie sorge ich für mich selbst als Klinikseelsorger?

 

Ich kann nur gut für andere sorgen, wenn ich gut für mich selbst sorge…

P-K019 – Sterben und Tod im Jüdischen Umfeld 1v3

Interview mit Rabbiner Jehoshua Ahrens,

 

Inhalt

  • Rabbiner Jehoshua Ahrens, Mitglied der orthodoxen Rabbinerkonferenz, Rabbiner in Darmstadt
  • Der Rabbi stellt sich vor
  • Im Blick auf das Sterben ist die Halacha (jahrtausende altes Jüdisches Gesetz) wichtig, es wird immer aktuell ausgelegt und ist sehr liberal.
  • Es gibt hier zwei Maxime: Die Heiligung des Lebens einerseits und die Lebensqualität andererseits. Starke Schmerzmittel sind erlaubt, um die Lebensqualität des Kranken zu verbessern. Das Sterben soll nicht künstlich verhindert werden, wenn der Sterbeprozess bereits begonnen hat.
  • Bisweilen setzt hier das Ringen am Lebensende ein. In der Beratung mit Arzt, Familie und Sterbendem ist der Rabbi auch eingebunden.
  • Wenn es ans Sterben geht, soll man das eigene Leben noch einmal Revue passieren lassen und die Vidui sprechen (Sündenbekenntnis). Wer das nicht mehr selbst kann, für den übernimmt das ein Priester. Ziel ist es, dass der dann Verstorbene in der neuen Welt neu anfangen kann. Wohlgemerkt, das ist gemeinsam bei den Orthodoxen. Die Säkularen haben dazu oft kaum noch ein Verhältnis.
  • Im Moment des Todes: Kerze entzünden – Spiegel verhängen. Die Totenwacht beginnt. Ziel ist eine sehr zeitnahe Bestattung – ggf. auch am gleichen Tag.
  • Während eine Obduktion für einen Orthodoxen nur im (angeordneten) Ernstfall denkbar ist, steht der Rabbiner und auch seine Kollegen einer Organspende positiv gegenüber.

 

 

–        Eine Aussegnung wie im Christentum kennt das Judentum nicht.

–        Die Chewra Kadisha (Heilige Gemeinschaft – entweder aus Männern oder Frauen der Gemeinde) übernimmt die Leichenwaschung und koordiniert alles rund um die Beerdigung. Ein sehr angesehenes Amt.

 

 

Kontakt:

Rabbiner Jehoschua Ahrens

Wilhelm-Glässing-Straße 26
64283 Darmstadt

+49 6151 28897

–        http://www.lvjgh.de/gemeinden/details/8-Juedische-Gemeinde-Darmstadt/

 

P-K018 – Interview mit Pfarrer Johannes Gans, katholische Klinikseelsorge, Teil 3 von 3


In der katholischen Kirche gibt es die

  • Jahrestage – ein besonderer Gottesdienst
  • Besondere Feiertage wie Allerheiligen mit der Gräbersegnung und der Erinnerung der Verstorbenen durch Nennung ihres Namens.

Wenn sich zeigt, dass es keine Angehörigen bei der Bestattung gibt, (was nach Aussage des Bestatters in Darmstadt bei 10-15% der Fall ist, versucht Pfarrer Gans noch Gemeindeglieder mitzubringen. Wenn dies nicht möglich ist, oder gestaltet er die Beisetzung in anderer würdevoller Form.

Der Geistliche trennt nicht zwischen Beruf und privat, wenn er zu einer Bestattung geht, kommt er immer als Pfarrer Johannes Gans.

Herzlichen Dank für das Gespräch

Zum weiteren Kontakt:
Pfarrer Johannes Gans
Katholische Klinikseelsorge am Klinikum Darmstadt
Grafenstraße 9
64283 Darmstadt
06151-107-5640

(c) Stefan Hund

P-K017 – Interview mit Pfarrer Johannes Gans, katholische Klinikseelsorge Teil 2 von 3


Johannes Gans ist ein intensives Beerdigungsgespräch wichtig.
Vieles was dort gesagt wird, unterstützt ihn dabei in der konkreten Situation den Trauernden ein Wort der Hoffnung angesichts dieses Todes zu geben. Ein sehr anspruchsvoller wie auch dankbarer Dienst.
Erd- oder Feuerbestattung. Hier, so Pfarrer Gans, gibt es kirchlich keine ausschließenden Reglementierungen mehr. Die Menschen haben ein gutes Gespür dafür, was in ihrer Situation passt.

Allerdings ist eine Grabstätte als Ort der Trauer wichtig. Ein Ort, wo wir uns mit unseren Emotionen festmachen können. Ein Grab als ein heilsamer, heiliger Ort.

Pfarrer Gans unterstützt es, das Kinder bei einer Bestattung dabei sind, gleichsam als Ermöglichung eines eigenen Zugangs zum Tod. Ggf. aber in Begleitung von Erwachsenen.
Musik kann bei allem individuell sein. Das was dem Verstorbenen auch im Alltag Kraft und Lebenszuversicht geschenkt hat. Dazu gehören religiöse genauso wie traditionelle Schätze. Hierbei erinnert er sich im Besonderen an eine Trauerfeier mit dem „Lilienlied“ der Fans des SV98 (Darmstadt), welches eine wichtige Kraftquelle im Leben des Verstorbenen war.

Wichtig ist für Pfarrer Johannes Gans hier das Leben des Verstorbenen zu würdigen und in die Hand Gottes zurück zu geben.
Eine Beerdigung ist individuell und darf, wenn sie angemessen und authentisch ist, auch schön sein. Eine gute Trauerfeier eröffnet einen heilsamen Raum.
Nach der Bestattung gibt es häufig einen Beerdigungskaffee oder auch Leichenschmauß. Hier wird sich unter anderem an die guten aber auch die schwierigen Situationen mit dem Verstorbenen erinnert. Hier erlebt er auch, dass Familie oder nahe Freunde das Wort öffentlich ergreifen. Im Rahmen der vorhergehenden Bestattung wäre dies wahrscheinlich zu nah, zu belastend gewesen.
Dann schaut Pfarrer Gans in die nahe Zukunft, wenn alles wieder das erste Mal passiert, insbesondere Geburtstag und Weihnachten.

Zum weiteren Kontakt:
Pfarrer Johannes Gans
Katholische Klinikseelsorge am Klinikum Darmstadt
Grafenstraße 9
64283 Darmstadt
06151-107-5640

(c) Stefan Hund

P-K016 – Interview mit Pfarrer Johannes Gans,(*1960), kath. Klinikseelsorge Teil 1 von 3

Wichtige Inhalte:
Jeder Mensch stellt sich individuell auf sein Lebensende ein.
– Im religiösen Kontext haben wir verschiedene Riten, Gebäuche, Traditionen, Gewohnheiten . Zentral für Johannes Gans ist: Was ist das konkrete Bedürfnis des Sterbenden oder seiner Angehörigen in diesem Moment und was kann ich als Priester hierfür anbieten. Menschen, so sie dies wünschen, müssen spirituell begleitet werden.
Dazu gehört das, was ihnen im Leben Kraft gegeben hat: Glaube, Beheimatetsein in einer kirchlichen Glaubensgemeinschaft. Mit vertrauten Riten heilsam in Berührung gebracht zu werden.
In der katholischen Kirche gibt es das Sakrament der Krankensalbung. (Bei vielen bekannt als die „letzte Ölung“) Es ist ein Zeichen und Geschenk mit dem Versprechen: „Gott ist bei Dir in Deiner existentiellen Not und wir dir einen Raum des Geborgenseins eröffnen.“ Du bist nicht allein → Hinweis: Psalm 23

In der katholischen Kirche gibt es das Zeichen des Viaticums (Wegzehrung – im ev. Bereich Krankenabendmahl) – für jemanden, der aus der Eucharistie, der Kraft der Gemeinschaft mit Christus lebt, ein tiefes Zeichen.

Der Eintritt des Todes ist ein besonderer Moment für alle. Im Kirchenjahr spiegelt sich das im Karsamstag wieder (Tod, Grablegung, Stille, „es ist vorbei“)

Die Zeit zwischen des Eintritts des Todes bis hin zur Trauerfeier benennt Pfarrer Gans als Schleusenzeit – und sich selbst neben anderen, wie dem Bestatter, als einer der Schleusenwärter und hilfreichen Wegbegleiter.
Wenn der Tod eingetreten ist, gibt es besonders im dörflichen Bereich das gemeinschaftliche Gebet, hier wird beispielsweise auch der Rosenkranz gebetet.
In der Klinik gibt es dann das Angebot der Aussegnung. Das unterstützt die Angehörigen, unverkrampft, heilsam. Eine gute Nähe ist für den Trauerweg wichtig. Das gilt für Erwachsene wie für Kinder, die ihre eigene Art der Trauer haben.

Zum weiteren Kontakt:
Pfarrer Johannes Gans
Katholische Klinikseelsorge am Klinikum Darmstadt
Grafenstraße 9
64283 Darmstadt
06151-107-5640

(c) Stefan Hund

P-K007 Interview mit Michael Dechert, Dechert Bestattungen (Teil 1v4)

Der Tod gehört zum Leben.

Auch wenn wir dieses lieber verdrängen, ist es hilfreich sich zumindest einmal selbst mit dem Thema auseinander zu setzen. Das erleichtert vieles. Dem Bestatter kommt hier eine wichtige Aufgabe zu. Michael Dechert war spontan bereit zu einem Interview in dem Podcast „Neues aus der Klinikseelsorge“.  Michael Dechert, ein sehr freundlicher Mensch mit einigen Lachfalten, führt gemeinsam mit seinem Bruder die Darmstädter Pietät in dritter Generation.

Ich habe das Gespräch, was rund eine Stunde dauert, auf vier Episoden (P-K007-P-K010) von jeweils rund 15 Minuten aufgeteilt. Das erschien mir bei einem solch emotionalen Thema angemessen.

 

  • Michael Dechert stellt sich persönlich vor.
  • Wie kommt der Erstkontakt mit dem Bestatter zustande.
    • Hier gibt es zwei Möglichkeiten:
      • Die einen regeln vorausschauend für den irgendwann eintretenden Tag ihres Ablebens. Dann ist alles, bisweilen zur Übergabe der ausgekehrten Wohnung besprochen und auch finanziert.
      • Die anderen kommen mit dem Bestatter erst nach dem Ableben ihres Verwandten oder Freundes in Kontakt. Häufig auf Empfehlung, vielfach war Dechert-Bestattungen aber auch schon in der Generation davor in dieser Familie der Begleiter zum Friedhof. Diese gute Erfahrung wird dann an die nächste Generation weitergegeben.
  • Im Angesicht des Todes
    • Jeder der verstorben ist, war für mindestens einen anderen Menschen ein sehr wichtiger Mensch – in diesem Sinne begleitet der Bestatter diesen auch sehr würdig auf dem Weg zum Grab.
    • Dechert beschreibt die Schritte, die dazu gegangen werden müssen. Der erste wichtige Schritt ist die ärztliche Totenbescheinigung. Besonders geht Michael Dechert auf die Situation ein, wenn hier das Kreuzchen bei der Todesursache auch bei ungeklärt steht.
    • Sterbesituationen, wenn der/die Verstorbene eben nicht „alt und lebenssatt“ abends im Bett eingeschlafen sind. Wie geht er selbst damit um, wie kann er mit seinen Kenntnissen in Thanato-Praxie die Angehörigen beim Abschiednehmen unterstützen.

 

Kontakt: Michael Dechert

DECHERT Bestattungen
Inhaber: Markus und Michael Dechert

Ludwigshöhstraße 46 – 64285 Darmstadt

Telefon: 06151 / 96810
Telefax: 06151 / 968120

Internet: www.dechert-Bestattungen.de
E-Mail: info@dechert-bestattungen.de

(c) Stefanhund.com

 

003 – Auf dem letzten Meter des Lebens

Sterbebegleitung


Ausgangssituation: Ich werde von einer Stationsmitarbeiterin in Absprache mit der Familie zu einem Sterbenden gerufen.

Da dies in der Nachtrufbereitschaft passiert, habe ich eine gute halbe Stunde Anfahrtszeit, Gedanken – an denen ich meine Hörerschaft teilhaben lasse, gehen mir durch den Kopf.

Die nächste Szene ist das Krankenzimmer auf der Intensivstation. Die engsten Angehörigen sind hier versammelt. Die Anzeige auf den Geräten signalisieren, dass es nicht mehr lange dauern wird. Ich bitte die Angehörigen sich im Kreis mit dem Sterbenden zu versammeln.

Ich öffne gleichsam den heiligen Raum mit den Worten, die einer Überschrift oder auch einer Torinschrift in diesem Moment gleichen: „Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“

Ich schenke nun den Anwesenden eine kleine Bildkarte mit einem Bronzeengel aus, lasse das Bild einen Moment wirken und lese auf der Innenseite Worte aus dem 91. Psalm vor, lasse Raum für Eigenes, und lade ein gemeinsam das Vater Unser zu beten. Ich schließe mit dem Segen – insbesondere mit dem Hinweis, der mir aus vielen Begegnungen im Kloster Gnadenthal zentral geworden ist, den ich etwas abgewandelt habe: Und wohin wir jetzt auch immer gehen, dort ist schon unser Gott! Gehen wir im Frieden Gottes – und beende mit dem Kreuzzeichen. Stille erfüllt den Raum, nur die medizinischen Geräte sind zu hören.

Als ob der Sterbende genau auf diesen Moment gewartet hat, bewegen sich ab diesem Moment seine Vitalwerte deutlich im Sinkflug. Alle wissen, was das bedeutet. Trotz aller Traurigkeit ist es ein Abschied in Würde, fast schon in einer Gelassenheit. Ein heiliger Moment, so würde ich es nennen, folgt.

Nach und nach verlassen alle den Raum. Die Witwe bittet nachher noch mal zu ihrem verstorbenen Mann zu gehen, was aber kein Problem ist.

In der neuen Situation wollte sich die Witwe orientieren, daher habe ich ihr Hinweise auf das Thema Bestattung gegeben und sie hat ihren ersten Anruf beim Bestatter gemacht.

In der nächsten Episode lade ich Sie ein, mich bei einer Aussegnung zu begleiten. Es wird also eine Geschichte sein, da ein Mensch eben gerade gestorben ist und der Klinikseelsorger gleichsam erste Hilfe an den allerengsten Angehörigen leistet und den Verstorbenen aus ihrem Kreis heraus begleitet.

 

 

002 – „Mein Partner kommt als Pflegefall nach Hause …

Wer sorgt für mich als Angehörige?“

Ausgangssituation, die jeden treffen kann:
Der Partner erleidet einen massiven Infarkt und überlebt Dank schnellem Eingreifens einer zufällig anwesenden Ärztin. Die Rettungskette funktioniert hervorragend, der Patient wird in die Hessen-Klinik eingeliefert. Die Klinikseelsorge wird angefragt und begleitet den Patienten und die Familie in dieser sehr schweren Zeit. Nach einigen Wochen im Krankenhaus steht fest: dass der Patient als Schwerstpflegefall, weitestgehend austherapiert, nach Hause entlassen wird.

Was wäre wenn – eben keine Ärztin dagewesen wäre und beherzt eingegriffen hätte. Was hätte der Patient bei einer möglichen Patientenverfügung gewollt – Habe ich überhaupt eine? Welche Entscheidung wäre von den Angehörigen und dem Ethikkomitee zu treffen, wenn das Leben nur noch an Maschinen hängt? Keine einfache Frage und erst recht keine einfache oder auch allgemeingültige Antwort.

Während der Patient in seinem Leiden gut versorgt in der Klinik liegt, könnten sich daheim ganz andere, ebenfalls existentielle Sorgen auftun. Wirtschaftliche Aspekte? Was bedeutet das für die Beziehung, für die Familie? Möglicherweise die Erweiterung der Beziehung von zwei auf drei – zum Wohle aller?

Für den Patienten wird gesorgt – aber was ist mit den nächsten Angehörigen, die nun massiv an ihre physischen, psychischen und finanziellen Grenzen – gegebenenfalls auch darüber hinaus kommen. Manche drohen in dieser Situation unter zu gehen oder auch sich selbst, zu Gunsten des Patienten, aufzugeben. Aber: „Man kann auf die Dauer nur für andere gut sorgen, wenn man für sich selbst gut sorgt.“
„Ich darf sein“ – christlich begründet in der Taufe. Ich bin – ich darf sein – ich muss nicht erst noch werden, geschweige denn mich selbst verleugnen – oder gar mich für den anderen aufgeben – dann kann ich auf die Dauer ihn auch nicht mehr unterstützen, sondern brauche selbst Hilfe.
„Was brauche ich wirklich?“ – Zeit, Menschen, die mir die richtigen Fragen stellen, die ein Stück des Weges mit mir gehen – vielleicht auch schweigsam, mit tragen / aushalten, nicht weglaufen. Menschen, die für mich- auch wenn ich es erst mal nicht erfahre, vielleicht auch gar nicht will – für mich beten, für mich glauben – wenn ich es in diesem Moment nicht kann.

Aber schnelle Antworten oder Rat-Schläge sind in der Regel genauso wenig hilfreich, wie verpflichtende Wege, die mit dem fremden oder gar weitestgehend vollständigen Anspruch der Erlösung daher kommen.
Was brauche ich wirklich? Möglicherweise sind nun auf einmal bereits vorgezeichnete Schritte dran, die aber lange Zeit nicht gegangen worden sind.

Ein Weg des in sich Hineinspürens (ohne dort zu bleiben), möglicherweise auch mit Hilfe, ggf auch professioneller Hilfe, bei dem das „Ich darf sein“ immer größer wird und in ein gutes gestärktes „Ich bin“ mündet.

Dann stehen Ihnen als Angehörige mehr Ressourcen für sich selbst zur Verfügung hat, mit denen Sie dann auch den anderen unterstützen können – ohne daran zu zerbrechen. Hier ist Kreativität nicht nur erlaubt, sondern gar geboten. Zum Wohl von Patient und Angehörigem.

 

Fragen zum Weiterdenken:

1. Habe ich mit meinen Engsten (Familie, Freunde usw.) schon mal über eine derartige lebensbedrohliche Situation gesprochen?

2. Habe ich ggf. eine Patientenverfügung? Wie ist diese aufgebaut? Erfahrungsgemäß sind viele PV sehr vage formuliert, besonders, wenn sie per „copy and paste“ aus dem Internet entstanden ist. Eine Möglichkeit wäre, die PV im Entstehungsprozess mit dem Hausarzt durchzusprechen.

3. Wer hat Kopien davon – auch die als Entscheider Benannten? Wer ist geeignet meine Interessen gegenüber Dritten zu vertreten (Generalvollmacht)? Hinweis: Gerade in Beziehungen ohne Trauschein ist der Partner ohne ein besonderes Papier wie ein Fremder außen vor. Mehr noch, dann sind möglicherweise auf einmal Familienangehörige an der entscheidenden Position, die man dort keinesfalls haben möchte. Ebenfalls ist zu bedenken, dass bei dem Gericht unklaren Situationen, von diesen ein gesetzlicher Vertreter bestimmt wird, der dann von außen kommt.

4. Wäre ich dafür die („meine“) Geräte abzuschalten, wenn ich nach einem Unfall, austherapiert, nur noch an den Geräten hängen würde? Wer sollte meiner Meinung nach die Entscheidung treffen?

5. Wollte ich eine Begleitung durch die Klinikseelsorge meiner Konfession oder Religion, sollte ich im Krankenhaus liegen? Wäre es mir (als Evangelischer oder Katholische) wichtig, dass mein Gemeindepfarrer/Gemeindepfarrerin, mit dem ich verbunden bin, von meiner Situation weiß, mich ggf. auch besucht?

6. Gibt es einen Notfall-Ordner – mit (Kopien/Originalen) aller wichtigen Dokumente (Geburts-, Heirats- Urkunde, Schlüsseldokumente, Bankdokumente, Versicherungen usw.) und ggf. auch einer Adress- bzw. Telefonliste aller in einer solchen Situation wichtigen Personen und Institutionen? Wie sieht es mit Online-Bereichen: Banken, Netzwerken (Facebook, Xing, linkedin usw.) aus? Wer kann wo in diesem Fall auch einen Account schließen/löschen?

7. Wenn Sie Unternehmer sind, denken Sie bitte auch daran, wie in einem solchen Fall das Szenario für Sie und Ihr Unternehmen aussieht? Hier gibt es einzelne Kanzleien, die auf dieses Thema spezialisiert sind.
Wie sieht es mit Vertretungsrechten und Unterschriftsbefugnissen aus oder sind Sie der Einzige? Wo sind welche Dokumente abgelegt, wer kann an was im Ernstfall heran? Ist dann erst einmal Suchen oder Finden angesagt?
Wer muss, ggf. auch in welcher Reihenfolge informiert werden? Wer darf für Sie bzw. das Unternehmen in diesem Moment kommunizieren? Möglicherweise haben Sie auch Gedanken darüber, wem, was und wann (Leitlinien) und wie kommuniziert wird.

Literatur, die weiterhilft, folgt in Kürze