P-K013 – Sterben und Tod im muslimischen Kontext (3)

Songül Yasar, ehrenamtliche Klinik- und Notfallseelsorgerin Frankfurt, Stellvertretende Vorsitzende von Salam e.V. – Auf die Podcastfolgen 9-14 ist das rund 45 minütige Interview, welches ich Mitte August in Frankfurt geführt habe, verteilt.

  1. Bestattung
    1. Der Islam akzeptiert nur die Erdbestattung, Feuerbestattung ist ausgeschlossen.
    2. Trauer im Islam beschreibt Songül Yasar als gemäßigtes Verhalten, alles andere könnte auch als Auflehnung gegenüber Gott betrachtet werden. Bittgebete sind während der ganzen Zeit sehr wichtig, genauso wie Rezitate aus dem Koran und gemäßigtes Verhalten. Eine besondere Trauerkleidung gibt es nicht, da ja auch der Tod nur ein Zwischenstadium ist.
    3. Der Verstorbene wird auf Schultern getragen, das ist eine Ehrerweisung. Zum Schluss erfolgt die Grablegung mit Blick nach Mekka. Das Gesicht wird mit Metallplatte gegen Schmutz/Erde abgedeckt. Ein Erdwurf mit Schaufel schließt sich an. Der Koran wird noch mal zitiert, gute Taten benannt /Fürbittgebet und dann folgt die Verabschiedung am Grab.
    4. Der Tag der Grablegung wird aber auch genutzt, um über sich selbst nach zu denken.
    5. In der Anfangsphase unterstützen die Nachbarn die Familie, in dem sie z.B. für sie kochen oder kleine Dienste übernehmen.
    6. Einen ersten Abschluss gibt es nach ihrer Erfahrung dem 40. Tag des Todes. Hier wird ein Essen zu Ehren des Verstorbenen abgehalten. Auch in diesem Umfeld ist es wichtig gute Taten im Namen des Toten zu tun, es wird ihm zugerechnet und gibt dem Spender, dass er sich gut fühlt.
    7. Aber das Thema Tod rückt immer weiter aus der Gesellschaft, damit hilft es auch immer weniger dem Trauerprozess für die Angehörigen.
    8. Kinder sollen auch bei der Beerdigung teilnehmen, aber es wird auch erwartet, dass sie sich entsprechend verhalten.
    9. Das Totengebet wird in den Zeiten der üblichen 5 Gebete verrichtet.
    10. Songül Yasar – Das Grab soll einfach gestaltet sein, möglichst grün. Verschwendung und Bilder sind nicht gerne gesehen. Manch machen mehr, hier geht es um die Absicht, wenn der Verstorbene ein ganz besonderer war.
  1. Trauerbegleitung im Anschluss
    1. Hier macht das die Nachbarschaft, nimmt viele praktische Tätigkeiten ab.
  • Die Professionelle auf der privaten Bestattung
    1. Songül Yasar hat sehr großes Mitgefühl für die Angehörigen. Sieht den Tod als Prüfung für die engsten Angehörigen.
    2. Als Professionelle begleitet sie distanziert viele Menschen, aber wenn es um Freunde geht, die sie verlieren könnte, hat sie Angst. Sie nimmt das alles als Prüfung.
    3. Wir sind nur eine bestimmte Zeit auf dieser Welt und Gott hat einen Plan mit uns.

Herzlichen Dank für das Gespräch

KONTAKT:

Songül Yasar

Salam e.V. Büro, Universitätsklinikum – Haus 1 Zi 12,  Muslimische Seelsorge, Theodor-Stern-Kai 7, 60590 Frankfurt, Deutschland – www.salamev.de

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