P-K011 – Sterben und Tod im muslimischen Kontext (1)

Songül Yasar, ehrenamtliche Klinik- und Notfallseelsorgerin Frankfurt, Stellvertretende Vorsitzende von Salam e.V. – Auf die Podcastfolgen 12-14 ist das rund 45 minütige Interview, welches ich Mitte August in Frankfurt geführt habe, verteilt.

Songül Yasar, Muslima, 32, erzählt, dass sie im Hauptberuf Lehrerin an einer Berufsschule sei. Sie hat nebenher eine Ausbildung mit Prüfung zur ehrenamtlichen Klinik- und Notfallseelsorgerin gemacht. Trägerin der Ausbildung war Salam e.V. Die EKHN war hierbei einer der Kooperationspartner. Ehrenamtlich erzählte sie, besuche sie das Frankfurter Bethanien-Krankenhaus und dort muslimische Patientinnen und Patienten. Als Notfallseelsorgerin im Einsatz, wenn muslimische, insbesondere türkische Familien betroffen sind.

Songül Yasar sagt, dass Seelsorge im christlichen Sinne bei Muslimen überwiegend unbekannt ist, sie stellt sich für Salam eV. daher den Patienten so vor: „Ich arbeite hier und möchte Sie besuchen, zuhören, beistehen.“

  1. Wie bereitet sich ein Sterbender wie auch sein Umfeld im Islam auf den Tod vor:
    1. Grundsätzlich: Muslime sehen den Tod als ein Zwischenstadium – nicht als Endpunkt. Das Leben geht woanders weiter. Dann werden Muslime zu ihren Taten gefragt werden. Schlechte Taten bedeuten nicht direkt Strafe Gottes, denn Gott ist vergebend und Muslime glauben daran und hoffen darauf.
    2. Die Angehörigen bereiten den Sterbenden auf den Tod vor, in dem sie ihm von den Eigenschaften Gottes, vor allem von seiner Barmherzigkeit, erzählen und die hoffnungsvollen Namen Gottes in den Vordergrund rücken. Dazu kommen Rezitate aus dem Koran. Auch der Hinweis darauf, dass wir alle den gleichen Weg haben, darf nicht fehlen. Dazu kommen Bittgebete, vor allem, weil der Sterbende in der Regel Angst habe, oft in Verbindung mit Schuldgefühlen, die aus bestimmten Taten im Leben herrühren. Es geht dann um das Bitten um Barmherzigkeit. Aber für Muslime ist es immer klar, dass sie nach ihren bewussten Taten nach ihrem Leben befragt werden.
    3. Im Blick auf fromme und säkulare Muslime: Die frommen sprechen sehr stark über Gott. Das Vertrauen auf Gott, dass man dem Menschen wieder begegnet ist da. Der Sterbende ist in guten Händen. Die Gläubigen bzw. Praktizierenden strahlen aus, dass sie zu Gott zurückkehren. Sie hoffen sehr die Vergebung Gottes. Bei Nicht Praktizierenden erlebe ich mehr Angst…
    4. Wer sich als Sterbender oder Angehöriger eines Sterbenden darauf vorbereiten kann, hat einen Prozess hinter sich. – Bei akut Verstorbenen ist erstmal eine größere Schockphase bei den Angehörigen (was aber zutiefst menschlich ist.)

 

Interviewpartnerin:  Songül Yasar – Salam e.V. Büro, Universitätsklinikum – Haus 1 Zi 12,  Muslimische Seelsorge, Theodor-Stern-Kai 7, 60590 Frankfurt, Deutschland – www.salamev.de

(C) Stefanhund.com

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