P-K012 – Sterben und Tod im muslimischen Kontext (2)

Songül Yasar, ehrenamtliche Klinik- und Notfallseelsorgerin Frankfurt, Stellvertretende Vorsitzende von Salam e.V. – Auf die Podcastfolgen 12-14 ist das rund 45 minütige Interview, welches ich Mitte August in Frankfurt geführt habe, verteilt.

 

  1. Der Tod ist eingetreten…
    1. Songül Yasar hat die Erfahrung gemacht, dass sehr viele Angehörige zunächst mit der Situation überfordert waren. Was ist wann und wie zu machen? Nach dem Tod und der Freigabe durch den Arzt (Totenschein) kann die rituelle Waschung beginnen. Aufschiebend könnten hierbei eine Organspende oder ein erwarteter wichtiger Besuch von weiter weg, ggf. Ausland ist angekündigt oder eben eine Überführung ins Ausland.
    2. Die Waschung, eine religiöse Zeremonie mit eigenen Regeln, findet sehr zeitnah an die Grablegung statt. Es gibt spezielle Leichentücher für Männer und Frauen. Dann wird der Verstorbene an den Ort gebracht, wo die Grablegung stattfinden wird. Muslime haben alleine die Erdbestattung, andere Formen sind nicht erlaubt. Dort beginnt dann auch das Totengebet. Hier sollen so viele Trauernde kommen wie möglich und Fürbitte für den Verstorbenen halten.
    3. Der Ort der Grablegung, viele aus Gründen der Heimat im Ausland, auch die Frage, wie lange hier in Deutschland ein Grabgelege liegen darf (20 Jahre plus) spielt eine Rolle. Wobei Songül Yasar den Trend zur Bestattung hier in Deutschland wahrnimmt.
    4. Die Waschung des Toten ist zuerst Familiensache. Dabei werden in der Regel Männer von Männern gewaschen und Frauen von Frauen. Ausnahme sind die Ehepartner, hier darf zumindest die Ehefrau den Ehemann waschen. Darüber hinaus gibt es professionelle Totenwäscher. Da dies eine religiöse Zeremonie ist, sind auch keine Nicht-Muslime dabei. Diese Frage kommt beispielsweise bei nicht-Muslimischen Bestattern auf.
    5. Muslimische Bestatter gibt es noch nicht so viele. Songül Yasar nennt das Institut Sabir in Neu-Isenburg. In der Praxis kann jedoch jeder Bestatter eine muslimische Beerdigung übernehmen, allerdings versteht es sich von selbst, dass dabei religiösen Vorschriften eingehalten werden. (Hinweis P-K009 – Interview mit dem Bestatter Michael Dechert, Darmstadt)

 

Interviewpartnerin:  Songül Yasar

Salam e.V. Büro, Universitätsklinikum – Haus 1 Zi 12,  Muslimische Seelsorge, Theodor-Stern-Kai 7, 60590 Frankfurt, Deutschland – www.salamev.de

(C) Stefanhund.com

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