024– Interview mit Marlis Lamers, Gefühlsdolmetscherin

„Wenn die Worte fehlen -Empathie überwindet alle Grenzen“

Marlis Lamers, Gefühls-Dolmetscherin und Expertin für Mikromimik, Trainerin für Emotionserkennung und Emotionale Intelligenz. Hierbei ist ein Schwerpunkt die Mimik von Schwerkranken und Sterbenden zu erkennen und zu lesen.

„Unsere Mimik ist die Ausdrucksweise, die zuletzt stirbt“. 44 Muskeln im Gesicht können über 10.000 verschiedene Gefühle ausdrücken. Ein eindeutiges Zeichen für Trauer ist beispielsweise beide innere Augenbrauen gleichzeitig hochzuziehen – und das funktioniert gerade in dem Moment, wo Sprache mit Worten nicht mehr möglich ist…

Dabei ist wichtig zu bedenken, dass diese Mimik unwillentlich gesteuert ist. Mimik ist immer auch im Gesamtzusammenhang zu lesen – wozu auch die lange Kenntnis / Beziehung mit dem Todkranken gehört. Sie wird immer wichtiger, je mehr eine Begegnung „emotionale Ladung“ hat – also mehr als small-Talk über Belangslosigkeiten.

Es gibt klare Signale, ob der Patient noch in einer Trauer oder vielleicht in einer Wutphase ist. Oder bei angebotenen Speisen: ist es eine Schmerz oder Ekel-Expression…

Marlis Lamers erklärt, dass das einseitige Einpressen eines Mundwinkels ein klares Zeichen für Verachtung ist. Wenn dieses Signal aufgenommen wird, ist es die Frage an den gesunden Gesprächspartner, wie er nun wertschätzend mit dem Patienten umgeht, welche Frage-Angebote er ihm in diesem Moment machen kann, um herauszufinden, warum er diese Expression in diesem Moment zeigt.

Letztlich ist es auf diese Art und Weise auch möglich, mit einem Patienten/Angehörigen zu kommunizieren – ja sich gemeinsam unterhalten, wenn Worte nicht mehr möglich sind.

Viele, die intensiv mit Menschen im sozialen Bereich arbeiten oder hier auch einen Menschen intensiv begleiten, haben ein Bauchgefühl, wie es dem Anderen geht – mit der Mimik-Spracherkennung kann dieses Bauchgefühl verifiziert werden.

Marlis Lamers könnte hier in besonderen Fällen als Übersetzerin dazugeholt werden. Sie gibt aktuell ihr Wissen vornehmlich mit Inhouse-Schulungen in Krankenhäusern, Altenheimen und Hospizen in ganz Deutschland weiter. Dazu arbeitet sie auch in verschiedenen Fachausbildungen mit, nicht nur im palliativen Bereich, sondern gibt ihr Wissen auch beispielsweise bei den Forensikern (Was könnten Opfer über die Täter oder die Tat noch äußern) weiter.

Diese Mimik-Expressionen haben eine Dauer von 40-500 Millisekunden… ein kurzes Zucken. Mit dem geschulten Blick wird man immer mehr wahrnehmen. Viele üben bereits beim Fahren in öffentlichen Verkehrsmitteln. Wichtig ist ihr erst einmal, dass man überhaupt etwas wahr nimmt. Hier kommt für Marlis Lamers „Verstehen vor Verstanden werden“

Nun folgt ein (fiktives) Beispiel aus dem Privaten Bereich: Die Großmutter im Pflegeheim wird besucht… – wie kann sich hier ein Gespräch entwickeln….
Im Blick auf Ärzte und Pflegemitarbeiter: Hier kann die Kenntnis über die Mimik-Sprache ein schnelleres Verständnis und ein miteinander kommunizieren aufgebaut werden. Das ist eine lohnende Investition – bei allem Zeitdruck in diesem Bereich. Denn sie hilft zu besseren Kommunikation und vermeidet die Falschinterpretation von Gefühlen. Und so kommt es leichter zu einem Miteinander als zu einem Gegeneinander, was unnötig Ressourcen und Lebensqualität kostet. Die Bedrfnisse des Patienten können so gesehen und gehört werden. Nicht ist schlimmer als ungesehen, ungehört und somit gleichsam als Person übersehen zu werden – das gilt sowohl für den Patienten als auch für sämtliches Personal.

Das gilt genauso für das Ansprechen und Erfüllen spiritueller Bedürfnisse – im Blick auf die Klinikseelsorge. Hier ist auf einmal sehr viel mehr möglich…
Die mimischen Bewegungen im Gesicht sind kulturübergreifend gleich. Wichtig ist nicht, die Emotionale Mimik sofort richtig zu interpretieren – viel wichtiger ist, dass der Seelsorger oder eben das Gegenüber allgemein – die Emotion überhaupt wahrnimmt und anspricht.

Hilfe für die richtige Interpretation ist auch die Mimikexpression nachzumachen, um sie zu richtig verstehen. Dabei wirkt häufig das Äußere nachmachen ein entsprechendes inneres Gefühl. (SH: deshalb haben viele auch eine bessere Stimmung, wenn sie eine Minute lautlos vor sich hinlächeln…) – Das gilt genauso auch anders herum: „Denke mal an eine saure Zitrone in deinem Mund“ und allermeist ziehen sich dann auch schon die Geschmacksnerven zusammen.

Marlis Lamers empfiehlt zum Üben nicht nur öffentliche Verkehrsmittel, sondern auch Fernsehen ohne Ton … – immer bedenkend, dass 93% aller Kommunikation NON-VERBAL ist.

Herzlichen Dank
An Marlis Lamers

 

 

Wer mehr wissen möchte:

httpv://www.youtube.com/watch?v=channel/UCGwz2PSJWuNJ3CGyJwhI2qA https://www.youtube.com/channel/UC_0aqyd92PcaYiHHVNmxP1g?view_as=subscriber

Marlis Lamers, Kommunikation Wortlos
youtube.com

Meine Webseite: www.kommunikation-wortlos.de

Dazu: Buchempfehlung folgt …
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