025-Advent in der virtuellen Hessen-Klinik

Ich freue mich erst einmal über mein Silbernes Podcast-Jubiläum – Heute ist die 25. Folge und ich bin sehr erfreut und überrascht zugleich, dass meine Episoden seit dem Start vor rund 9 Wochen 1.500 mal herunter geladen worden sind. Herzlichen Dank für Ihre Zeit und ihr Zuhören.

In zwei Wochen ist Heilig Abend. In meiner virtuellen Hessen-Klinik wird Weihnachten immer mehr spürbar. Nicht nur von der Optik, ein schöner großer Adventkranz mit Kerzen oben auf. Auch die Stimmung im Haus verändert sich. In der Adventszeit wird die Kapelle der Klinik vermehrt genutzt und auch Fürbitten in das ausliegende Gebetbuch eingetragen. Die Schreiber der unterschiedlichen Zeilen kommen aus unterschiedlichen Ländern und Sprachen. Jeweils am Sonntag nehme ich die Gebete mit in die Fürbitte des Gottesdienstes.

In der Adventszeit ist mein Schwerpunkt Besuche und das Überreichen eigener, teilweise auch individuell ergänzter Weihnachtskarten. Vorne mit einer brennenden Kerze drauf und dazu die hoffnungsvolle Verheißung aus dem Johannes-Evangelium 1,5: Das Licht scheint in der Finsternis – und die Finsternis hat es nicht ergriffen.“

Ich erzähle anschließend in den übrigen der 15 Minuten von zwei Begegnungen mit Patientinnen.

  1. Während alle um sie herum auf ihren Arztbrief warten, damit sie nach Hause können, möchte eine Patientin möglichst über Weihnachten in meiner virtuellen Klinik bleiben. Was sind ihre Beweggründe? Auch wenn ich ihr bei ihrem Problem nicht helfen konnte, am Ende des Gespräches bedankt sich die Dame für mein langes und intensives Zuhören, für das gemeinsame Gebet. Das war für sie ein Geschenk, welches sie schon lange nicht mehr hatte.
  2. Eine junge Frau, deren Freund mit am Krankenbett saß, erzählte von ihrer Brust-OP. Im Verlauf des Gespräches stellt sich heraus, dass ich sie vor vielen Jahren getauft habe, und sie auch mich auch noch im Kindergarten erinnert. Sie erzählt von ihren Hoffnungen und Ängsten angesichts einer solchen OP. Gegen Ende des Gespräches möchte sie gesegnet werden für den Weg, der jetzt vor ihr liegt. In einem zweiten Schritt bezieht sie ihren Freund bewusst in den Segen mit ein, wünscht sie sich doch sehr, dass er sie in dieser nun schwierigen Zeit begleiten kann und wird.

Um gerade auch in hektischen Zeiten die Ruhe und Kraft zu haben, gehe ich seit vielen Jahren für mich selbst und gut begleitet zu Schweigetagen u.a. ins Kloster. Seit fast 14 Jahren biete ich solche Einkehrtage für Unternehmer und Führungskräfte auf www.stillezeit.de an. Die nächsten offen ausgeschriebenen werden im Mai, Juli und November sein.   Darüber hinaus gibt es das Angebot auch für geschlossene Gruppen.

 

Mein Weihnachtsgeschenk an Sie, liebe Hörerinnen und Hörer:

Bis Weihnachten 2017  und für 2018 in jeder ersten Woche des jeweiligen Monats nehme ich mir jede Woche zwei Stunden Gebetszeit für Ihre persönlichen Anliegen. Wenn ich für Sie beten soll, senden Sie mir eine Nachricht über podcast-Klinikseelsorge@stefanhund.com oder schreiben mir eine Nachricht auf facebook auf der Seite podcast-Klinikseelsorge

 

Ich wünsche Ihnen und Ihren Lieben eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit 2017

Ihr

Stefan Hund

024– Interview mit Marlis Lamers, Gefühlsdolmetscherin

„Wenn die Worte fehlen -Empathie überwindet alle Grenzen“

Marlis Lamers, Gefühls-Dolmetscherin und Expertin für Mikromimik, Trainerin für Emotionserkennung und Emotionale Intelligenz. Hierbei ist ein Schwerpunkt die Mimik von Schwerkranken und Sterbenden zu erkennen und zu lesen.

„Unsere Mimik ist die Ausdrucksweise, die zuletzt stirbt“. 44 Muskeln im Gesicht können über 10.000 verschiedene Gefühle ausdrücken. Ein eindeutiges Zeichen für Trauer ist beispielsweise beide innere Augenbrauen gleichzeitig hochzuziehen – und das funktioniert gerade in dem Moment, wo Sprache mit Worten nicht mehr möglich ist…

Dabei ist wichtig zu bedenken, dass diese Mimik unwillentlich gesteuert ist. Mimik ist immer auch im Gesamtzusammenhang zu lesen – wozu auch die lange Kenntnis / Beziehung mit dem Todkranken gehört. Sie wird immer wichtiger, je mehr eine Begegnung „emotionale Ladung“ hat – also mehr als small-Talk über Belangslosigkeiten.

Es gibt klare Signale, ob der Patient noch in einer Trauer oder vielleicht in einer Wutphase ist. Oder bei angebotenen Speisen: ist es eine Schmerz oder Ekel-Expression…

Marlis Lamers erklärt, dass das einseitige Einpressen eines Mundwinkels ein klares Zeichen für Verachtung ist. Wenn dieses Signal aufgenommen wird, ist es die Frage an den gesunden Gesprächspartner, wie er nun wertschätzend mit dem Patienten umgeht, welche Frage-Angebote er ihm in diesem Moment machen kann, um herauszufinden, warum er diese Expression in diesem Moment zeigt.

Letztlich ist es auf diese Art und Weise auch möglich, mit einem Patienten/Angehörigen zu kommunizieren – ja sich gemeinsam unterhalten, wenn Worte nicht mehr möglich sind.

Viele, die intensiv mit Menschen im sozialen Bereich arbeiten oder hier auch einen Menschen intensiv begleiten, haben ein Bauchgefühl, wie es dem Anderen geht – mit der Mimik-Spracherkennung kann dieses Bauchgefühl verifiziert werden.

Marlis Lamers könnte hier in besonderen Fällen als Übersetzerin dazugeholt werden. Sie gibt aktuell ihr Wissen vornehmlich mit Inhouse-Schulungen in Krankenhäusern, Altenheimen und Hospizen in ganz Deutschland weiter. Dazu arbeitet sie auch in verschiedenen Fachausbildungen mit, nicht nur im palliativen Bereich, sondern gibt ihr Wissen auch beispielsweise bei den Forensikern (Was könnten Opfer über die Täter oder die Tat noch äußern) weiter.

Diese Mimik-Expressionen haben eine Dauer von 40-500 Millisekunden… ein kurzes Zucken. Mit dem geschulten Blick wird man immer mehr wahrnehmen. Viele üben bereits beim Fahren in öffentlichen Verkehrsmitteln. Wichtig ist ihr erst einmal, dass man überhaupt etwas wahr nimmt. Hier kommt für Marlis Lamers „Verstehen vor Verstanden werden“

Nun folgt ein (fiktives) Beispiel aus dem Privaten Bereich: Die Großmutter im Pflegeheim wird besucht… – wie kann sich hier ein Gespräch entwickeln….
Im Blick auf Ärzte und Pflegemitarbeiter: Hier kann die Kenntnis über die Mimik-Sprache ein schnelleres Verständnis und ein miteinander kommunizieren aufgebaut werden. Das ist eine lohnende Investition – bei allem Zeitdruck in diesem Bereich. Denn sie hilft zu besseren Kommunikation und vermeidet die Falschinterpretation von Gefühlen. Und so kommt es leichter zu einem Miteinander als zu einem Gegeneinander, was unnötig Ressourcen und Lebensqualität kostet. Die Bedrfnisse des Patienten können so gesehen und gehört werden. Nicht ist schlimmer als ungesehen, ungehört und somit gleichsam als Person übersehen zu werden – das gilt sowohl für den Patienten als auch für sämtliches Personal.

Das gilt genauso für das Ansprechen und Erfüllen spiritueller Bedürfnisse – im Blick auf die Klinikseelsorge. Hier ist auf einmal sehr viel mehr möglich…
Die mimischen Bewegungen im Gesicht sind kulturübergreifend gleich. Wichtig ist nicht, die Emotionale Mimik sofort richtig zu interpretieren – viel wichtiger ist, dass der Seelsorger oder eben das Gegenüber allgemein – die Emotion überhaupt wahrnimmt und anspricht.

Hilfe für die richtige Interpretation ist auch die Mimikexpression nachzumachen, um sie zu richtig verstehen. Dabei wirkt häufig das Äußere nachmachen ein entsprechendes inneres Gefühl. (SH: deshalb haben viele auch eine bessere Stimmung, wenn sie eine Minute lautlos vor sich hinlächeln…) – Das gilt genauso auch anders herum: „Denke mal an eine saure Zitrone in deinem Mund“ und allermeist ziehen sich dann auch schon die Geschmacksnerven zusammen.

Marlis Lamers empfiehlt zum Üben nicht nur öffentliche Verkehrsmittel, sondern auch Fernsehen ohne Ton … – immer bedenkend, dass 93% aller Kommunikation NON-VERBAL ist.

Herzlichen Dank
An Marlis Lamers

 

 

Wer mehr wissen möchte:

httpv://www.youtube.com/watch?v=channel/UCGwz2PSJWuNJ3CGyJwhI2qA https://www.youtube.com/channel/UC_0aqyd92PcaYiHHVNmxP1g?view_as=subscriber

Marlis Lamers, Kommunikation Wortlos
youtube.com

Meine Webseite: www.kommunikation-wortlos.de

Dazu: Buchempfehlung folgt …
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022 – Sterben und Tod – Interview mit Eva Neubacher, freie Trau- und Trauerrednerin.

In ihrer aktiven Berufszeit arbeitete Frau Eva Neubacher unter anderem als Standesbeamtin. Inzwischen hat sie sich mit „MeineZeremonie“ regional und überregional einen Namen für freie Hochzeiten gemacht. Angefragt wird die 63 Jährige Gernsheimerin inzwischen auch für freie Bestattungen. Ehrenamtlich ist Eva Neubacher beim Kinderschutzbund Ried in Gernsheim als 1. Vorsitzende tätig, in dessen Büro wir uns treffen.

Wichtige Kerne aus dem Interview:

Freie Bestattungen sind Trauerfeiern oder Beerdigungen, die ohne kirchliche oder religiöse Aspekte /Worte stattfinden. Der Wunsch dazu geht sowohl von den Verstorbenen als auch von den Hinterbliebenen aus. Auf die Kirchenmitgliedschaft ihrer Verstorbenen angesprochen, sagt sie: Wenn Menschen eine kirchliche Bindung haben, wählen sie in aller Regel die kirchliche Bestattung. Im Blick auf ihre Tätigkeit sagt sie: Etwa jeder 6. „ihrer“ Verstorbenen hat eine Kirchenbindung.

Der Erstkontakt geschieht in der Regel über den Bestatter. Es kann aber auch vorkommen, dass sie über scheinbar zufälliges Hören oder Lesen eines Zeitungsartikels über ihre Arbeit gefunden wird. Nach der Anfrage nimmt sie genauso, wie ich als evangelischer Pfarrer, schnell Kontakt mit den Hinterbliebenen auf.

Dabei ist es für sie wichtig, die Menschen in ihrem persönlichen Umfeld zu treffen und wahrzunehmen, soweit das möglich ist. Wichtig ist ihr, dass die Angehörigen in diesem Gespräch mit Worten ein Bild von dem malen können, den sie gehen lassen mussten. „Was für ein Mensch war der Verstorbene?“ und da fragt sie nach möglichst vielen Facetten. Und dann ist es die Kunst, dieses Gesagte in entsprechende Worte auf der Trauerfeier zu kleiden.

Wie ist der Ablauf einer freien Bestattung bei Eva Neubacher? Hier erzählt sie von einer Bestattung in einem dafür freigegebenen Waldstück.

Bei einer Bestattung kommt Familie zusammen, auch Familienteile, die sich nicht miteinander verstehen.

Ende des ersten Teils

Kontakt:
Eva Neubacher
www.meinezeremonie.de

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023- Sterben und Tod – Interview mit Eva Neubacher zum Thema: Freie Bestattung


Stichworte in diesem Interview sind:

Bei einer Bestattung kommt Familie zusammen, auch Familienteile, die sich nicht miteinander verstehen. Dabei bittet Eva Neubacher die Familie darauf zu achten, dass alle, die zu den engsten Mitgliedern gehören, auch in der oder den ersten Reihen sitzen.

Auf Wunsch geht sie später, nach der Trauerfeier auch mit, wenn die Urne im engsten Angehörigen-Kreis beigesetzt wird.

Gelegentlich ergibt sich noch ein weiterer Kontakt nach der Beisetzung.

Was kostet eine freie Bestattung?

Eva Neubacher – privat und als Bestattungsrednerin.

 

 

Kontakt:
Eva Neubacher
www.meineZeremonie.de

 

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P-K021-Interview-Sterben-und-Tod-im-jüdischen-Umfeld 3v3

Interview mit Rabbiner Jehoshua Ahrens

Teil 3

  • Die lange Trauerzeit und der Arbeitgeber. Viele arbeiten im jüdischen Umfeld, wo dies mitgetragen wird. Aber es ist bisweilen auch ein Wunsch für eine gesunde Trauer.
  • Kinder werden zur Teilnahme an einer Bestattung mitgenommen. Wohlwissend, dass hier nur noch die Hülle ist, der Verstorbene in der neuen Welt – so trauern wir eigentlich um unseren Verlust – und ums selbst.
  • Bei religiösen Menschen im Judentum spielt es keine Rolle, ob man ordiniert (Priester) ist oder nicht. Insofern ist für ihn die Frage, wie er zu einer privaten Beerdigung gehe – ob als der Private oder als der Rabbiner, keine wirkliche Frage.

–        Rabbiner Jehoschua Ahrens

  • Wilhelm-Glässing-Straße 26
    64283 Darmstadt
  • +49 6151 28897

http://www.lvjgh.de/gemeinden/details/8-Juedische-Gemeinde-Darmstadt/

P-K019 – Sterben und Tod im Jüdischen Umfeld 1v3

Interview mit Rabbiner Jehoshua Ahrens,

 

Inhalt

  • Rabbiner Jehoshua Ahrens, Mitglied der orthodoxen Rabbinerkonferenz, Rabbiner in Darmstadt
  • Der Rabbi stellt sich vor
  • Im Blick auf das Sterben ist die Halacha (jahrtausende altes Jüdisches Gesetz) wichtig, es wird immer aktuell ausgelegt und ist sehr liberal.
  • Es gibt hier zwei Maxime: Die Heiligung des Lebens einerseits und die Lebensqualität andererseits. Starke Schmerzmittel sind erlaubt, um die Lebensqualität des Kranken zu verbessern. Das Sterben soll nicht künstlich verhindert werden, wenn der Sterbeprozess bereits begonnen hat.
  • Bisweilen setzt hier das Ringen am Lebensende ein. In der Beratung mit Arzt, Familie und Sterbendem ist der Rabbi auch eingebunden.
  • Wenn es ans Sterben geht, soll man das eigene Leben noch einmal Revue passieren lassen und die Vidui sprechen (Sündenbekenntnis). Wer das nicht mehr selbst kann, für den übernimmt das ein Priester. Ziel ist es, dass der dann Verstorbene in der neuen Welt neu anfangen kann. Wohlgemerkt, das ist gemeinsam bei den Orthodoxen. Die Säkularen haben dazu oft kaum noch ein Verhältnis.
  • Im Moment des Todes: Kerze entzünden – Spiegel verhängen. Die Totenwacht beginnt. Ziel ist eine sehr zeitnahe Bestattung – ggf. auch am gleichen Tag.
  • Während eine Obduktion für einen Orthodoxen nur im (angeordneten) Ernstfall denkbar ist, steht der Rabbiner und auch seine Kollegen einer Organspende positiv gegenüber.

 

 

–        Eine Aussegnung wie im Christentum kennt das Judentum nicht.

–        Die Chewra Kadisha (Heilige Gemeinschaft – entweder aus Männern oder Frauen der Gemeinde) übernimmt die Leichenwaschung und koordiniert alles rund um die Beerdigung. Ein sehr angesehenes Amt.

 

 

Kontakt:

Rabbiner Jehoschua Ahrens

Wilhelm-Glässing-Straße 26
64283 Darmstadt

+49 6151 28897

–        http://www.lvjgh.de/gemeinden/details/8-Juedische-Gemeinde-Darmstadt/

 

P-K020 – Sterben und Tod im Jüdischen Umfeld – Teil 2

Interview mit Rabbiner Jehoshua Ahrens,

 

Inhalt Folge 2

  • Ablauf einer jüdischen Beerdigung
  • Das jüdische Totengebet
  • Das letzte Geleit bis zum Einlassen ins Grab
  • Kria – Einschneiden der Kleidung vor Trauer
  • HaKaddish – Das Trauer und Lobgebet
  • Die nahestehende Trauergemeinde
  • Schiwe – die ersten 7 Tage der Trauerzeit
  • Die ersten 30 Tage der Trauerzeit
  • Die Trauerzeit von 11 Monaten bei Eltern-/Kindschaftsverhältnis
  • Am Ende der Trauerzeit wird der Grabstein gesetzt

Rabbiner Jehoschua Ahrens

Wilhelm-Glässing-Straße 26
64283 Darmstadt

+49 6151 28897

http://www.lvjgh.de/gemeinden/details/8-Juedische-Gemeinde-Darmstadt/

P-K018 – Interview mit Pfarrer Johannes Gans, katholische Klinikseelsorge, Teil 3 von 3


In der katholischen Kirche gibt es die

  • Jahrestage – ein besonderer Gottesdienst
  • Besondere Feiertage wie Allerheiligen mit der Gräbersegnung und der Erinnerung der Verstorbenen durch Nennung ihres Namens.

Wenn sich zeigt, dass es keine Angehörigen bei der Bestattung gibt, (was nach Aussage des Bestatters in Darmstadt bei 10-15% der Fall ist, versucht Pfarrer Gans noch Gemeindeglieder mitzubringen. Wenn dies nicht möglich ist, oder gestaltet er die Beisetzung in anderer würdevoller Form.

Der Geistliche trennt nicht zwischen Beruf und privat, wenn er zu einer Bestattung geht, kommt er immer als Pfarrer Johannes Gans.

Herzlichen Dank für das Gespräch

Zum weiteren Kontakt:
Pfarrer Johannes Gans
Katholische Klinikseelsorge am Klinikum Darmstadt
Grafenstraße 9
64283 Darmstadt
06151-107-5640

(c) Stefan Hund

P-K017 – Interview mit Pfarrer Johannes Gans, katholische Klinikseelsorge Teil 2 von 3


Johannes Gans ist ein intensives Beerdigungsgespräch wichtig.
Vieles was dort gesagt wird, unterstützt ihn dabei in der konkreten Situation den Trauernden ein Wort der Hoffnung angesichts dieses Todes zu geben. Ein sehr anspruchsvoller wie auch dankbarer Dienst.
Erd- oder Feuerbestattung. Hier, so Pfarrer Gans, gibt es kirchlich keine ausschließenden Reglementierungen mehr. Die Menschen haben ein gutes Gespür dafür, was in ihrer Situation passt.

Allerdings ist eine Grabstätte als Ort der Trauer wichtig. Ein Ort, wo wir uns mit unseren Emotionen festmachen können. Ein Grab als ein heilsamer, heiliger Ort.

Pfarrer Gans unterstützt es, das Kinder bei einer Bestattung dabei sind, gleichsam als Ermöglichung eines eigenen Zugangs zum Tod. Ggf. aber in Begleitung von Erwachsenen.
Musik kann bei allem individuell sein. Das was dem Verstorbenen auch im Alltag Kraft und Lebenszuversicht geschenkt hat. Dazu gehören religiöse genauso wie traditionelle Schätze. Hierbei erinnert er sich im Besonderen an eine Trauerfeier mit dem „Lilienlied“ der Fans des SV98 (Darmstadt), welches eine wichtige Kraftquelle im Leben des Verstorbenen war.

Wichtig ist für Pfarrer Johannes Gans hier das Leben des Verstorbenen zu würdigen und in die Hand Gottes zurück zu geben.
Eine Beerdigung ist individuell und darf, wenn sie angemessen und authentisch ist, auch schön sein. Eine gute Trauerfeier eröffnet einen heilsamen Raum.
Nach der Bestattung gibt es häufig einen Beerdigungskaffee oder auch Leichenschmauß. Hier wird sich unter anderem an die guten aber auch die schwierigen Situationen mit dem Verstorbenen erinnert. Hier erlebt er auch, dass Familie oder nahe Freunde das Wort öffentlich ergreifen. Im Rahmen der vorhergehenden Bestattung wäre dies wahrscheinlich zu nah, zu belastend gewesen.
Dann schaut Pfarrer Gans in die nahe Zukunft, wenn alles wieder das erste Mal passiert, insbesondere Geburtstag und Weihnachten.

Zum weiteren Kontakt:
Pfarrer Johannes Gans
Katholische Klinikseelsorge am Klinikum Darmstadt
Grafenstraße 9
64283 Darmstadt
06151-107-5640

(c) Stefan Hund

P-K016 – Interview mit Pfarrer Johannes Gans,(*1960), kath. Klinikseelsorge Teil 1 von 3

Wichtige Inhalte:
Jeder Mensch stellt sich individuell auf sein Lebensende ein.
– Im religiösen Kontext haben wir verschiedene Riten, Gebäuche, Traditionen, Gewohnheiten . Zentral für Johannes Gans ist: Was ist das konkrete Bedürfnis des Sterbenden oder seiner Angehörigen in diesem Moment und was kann ich als Priester hierfür anbieten. Menschen, so sie dies wünschen, müssen spirituell begleitet werden.
Dazu gehört das, was ihnen im Leben Kraft gegeben hat: Glaube, Beheimatetsein in einer kirchlichen Glaubensgemeinschaft. Mit vertrauten Riten heilsam in Berührung gebracht zu werden.
In der katholischen Kirche gibt es das Sakrament der Krankensalbung. (Bei vielen bekannt als die „letzte Ölung“) Es ist ein Zeichen und Geschenk mit dem Versprechen: „Gott ist bei Dir in Deiner existentiellen Not und wir dir einen Raum des Geborgenseins eröffnen.“ Du bist nicht allein → Hinweis: Psalm 23

In der katholischen Kirche gibt es das Zeichen des Viaticums (Wegzehrung – im ev. Bereich Krankenabendmahl) – für jemanden, der aus der Eucharistie, der Kraft der Gemeinschaft mit Christus lebt, ein tiefes Zeichen.

Der Eintritt des Todes ist ein besonderer Moment für alle. Im Kirchenjahr spiegelt sich das im Karsamstag wieder (Tod, Grablegung, Stille, „es ist vorbei“)

Die Zeit zwischen des Eintritts des Todes bis hin zur Trauerfeier benennt Pfarrer Gans als Schleusenzeit – und sich selbst neben anderen, wie dem Bestatter, als einer der Schleusenwärter und hilfreichen Wegbegleiter.
Wenn der Tod eingetreten ist, gibt es besonders im dörflichen Bereich das gemeinschaftliche Gebet, hier wird beispielsweise auch der Rosenkranz gebetet.
In der Klinik gibt es dann das Angebot der Aussegnung. Das unterstützt die Angehörigen, unverkrampft, heilsam. Eine gute Nähe ist für den Trauerweg wichtig. Das gilt für Erwachsene wie für Kinder, die ihre eigene Art der Trauer haben.

Zum weiteren Kontakt:
Pfarrer Johannes Gans
Katholische Klinikseelsorge am Klinikum Darmstadt
Grafenstraße 9
64283 Darmstadt
06151-107-5640

(c) Stefan Hund